12.05.2009 Allgemein, Elektrotechnik, Kraftwerke, Netze und Last, Technik Kein Kommentar

IFEA Exkursion nach Kaprun

UW Tauern, Kraftwerksgruppe Kaprun, IKB und ÖBB

22-24 April 2009

von Hakan Ergun

1. Tag – UW Tauern

Am ersten Tag wurde das Umspannwerk Tauern in der Nähe von Kaprun besucht, welches zu den wichtigsten Netzknoten im österreichischen Netz zählt.

Als erstes wurden Einblicke in die Welt der Netzleittechnik gegeben, um die Komplexität dieses Gebietes und die damit verbundenen Problemstellungen nahe zu bringen.

Als nächstes wurde die Schaltzentrale des Umspannwerkes besichtigt, wo auch die Schutz- und Zähleinrichtungen situiert sind.

Phasenschiebertransformator in UW Tauern

Phasenschiebertransformator in UW Tauern

Als krönender Abschluss dieses Tages wurde die Schaltanlage besichtigt, wo wir interessante Informationen bekamen.

Das Umspannwerk ist mit zwei 600 MVA Transformatoren bestückt und verfügt über drei Sammelschienen. Außerdem befindet sich dort auch einer der drei Phasenschiebertransformatoren, die im österreichischen Netz arbeiten, da das Umspannwerk Tauern als Knoten einer sehr wichtigen Nord – Süd – Verbindung dient. Der Phasenschiebertransformator hat eine Bemessungsleistung von 344,1 MVA und verfügt über insgesamt 57 Schaltstufen ( jeweils 28 Stufen in beide Richtungen und eine Nullstellung).

Sonnenuntergang über UW Tauern

Sonnenuntergang über UW Tauern

Tag 2 – Kraftwerksgruppe Kaprun

Am Tag zwei kam das absolute Highlight dieser Exkursion an die Reihe, nämlich die Kraftwerksgruppe Tauern. Besichtigt wurden die Kraftwerke Limberg I und Limberg II, welches gerade gebaut wird, sowie die Kaprun – Hauptstufe.

Der Tag begann mit einer Präsentation, die sehr viele Informationen über die baulichen Aspekte des Kraftwerks Limberg II, sowie über die elektrischen Einrichtungen des Kraftwerks enthielt.

Nach der Präsentation wurde die Arbeitskleidung angelegt und die Besichtigung der Kraftwerksbaustelle konnte beginnen.

Nach der Präsentation wurde die Arbeitskleidung angelegt und die Besichtigung der Kraftwerksbaustelle konnte beginnen.

Das Kraftwerk Limberg II soll über zwei Maschinensätze verfügen, die insgesamt eine Leistung von 480 MVA liefern, können. Das Kraftwerk ist als Kavernenkraftwerk ausgeführt, d.h. dass alle Einrichtungen des Kraftwerks unterirdisch ausgeführt sind. Die Generator- und die Transformatorkaverne wurden in den Berg gesprengt und die Druckstollen gefräst. Die Druckstollen haben einen Durchmesser von 7 m, welche eine Durchflussmenge von 144 m3 pro Sekunde erlauben.

Kraftwerkskaverne Limberg II im Bau

Kraftwerkskaverne Limberg II im Bau

Das Kraftwerk ist als Pump – Speicher – Kraftwerk ausgeführt und arbeitet mit Francis Turbinen, die in beide Richtungen betrieben werden können. Der Druckschacht ist auf der Hochdruckseite mit Stahlblech verkleidet, welches eine Dicke von 35 mm aufweist, um den dort herrschenden Drücken gerecht zu werden.

Kraftwerksgruppe Kaprun

Kraftwerksgruppe Kaprun

Das Kraftwerk Limberg I, welches sich gerade zu der Zeit in Revision befand, verfügt über zwei Maschinensätze, die je 70 MVA an Leistung liefern können. Die erste Limbergstufe ist Schwarzstartfähig und soll auch gleichzeitig als Starteinrichtung für die zweite Limbergstufe dienen.

EB – Generator des Kraftwerks Limberg I mit Schwungscheiben für Stabilitätszwecke

EB – Generator des Kraftwerks Limberg I mit Schwungscheiben für Stabilitätszwecke

Die Maschinensätze der Hauptstufe Kaprun

Die Maschinensätze der Hauptstufe Kaprun

Zu guter letzt wurde die Hauptstufe Kaprun besucht, die über vier Maschinensätze mit einer Gesamtleistung von insgesamt 240 MVA verfügt. Alle Maschinen sind mit zwei Pelltonrädern ausgeführt. Die zwei Maschinensätze mit Doppeltdüsen können je 70 MVA liefern und die zwei Maschinen mit Einfachdüsen je 50 MVA.

Tag 3 – Innsbruck

Der dritte und letzte Tag der Exkursion begann mit der Besichtigung des Innenraumumspannwerks der Innsbrucker Kommunalbetriebe. Das Umspannwerk ist von einem Architekten entworfen worden, sodass man auf den ersten Blick gar nicht das Gefühl hat, vor einem Umspannwerk zu stehen.

„Designer – Umspannwerk der IKB“

„Designer – Umspannwerk der IKB“

Das Umspannwerk ist mit zwei Transformatoren ausgerüstet, die abwechselnd im Sommer- und Winterhalbjahr arbeiten. Der Transformator für das Sommerhalbjahr arbeitet mit einer Spannung von 30kV auf 10kV, da die im Sommer ins Netz einspeisende Kraftwerke mit der Spannung von 30kV arbeiten. Im Winterhalbjahr, wo der Bezug aus dem übergeordneten 100kV Netz größer ist wird der weite Transformator mit der Spannung 110kV auf 10kV eingesetzt.

Die Schaltfelder sind in der Modulbauweise ausgeführt. Das Netz wird gelöscht betrieben. Die Schalthandlungen können mit Hilfe der Netzleittechnik von einer Zentralwarte durchgeführt werden.

Schaltfelder des Umspannwerks der IKB

Schaltfelder des Umspannwerks der IKB

Den letzten Teil der Exkursion bildete der Besuch des zentralen Lastverteilers der ÖBB in Innsbruck. Dieser Lastverteiler ist in der Lage alle Kraftwerke, die der ÖBB gehören fern zu steuern. Außerdem können dort auch alle Schalthandlungen für die Übertragungsleitungen der ÖBB durchgeführt werden. Der Kraftwerkseinsatz wird mit Hilfe einer SCADA – Software nach den Kosten und dem Lastfluss (n-1 Sicherheit) optimiert und betrieben. Außerdem werden auch die Umrichterstationen, die die Verbindung zum öffentlichen Netz darstellen ebenfalls vom zentralen Lastverteiler ferngesteuert und optimiert betrieben.

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