31.03.2010 Elektrotechnik, Energieeffizienz, Technik, TU Graz Kein Kommentar

Standby-Verluste von Elektrogeräten – SELINA

Vor einigen Monaten startete im Rahmen des EU-Programms „Energy Intelligence for Europe” (IEE) das Projekt SELINA (Standby and Off-Mode Energy Losses In New Appliances), an dem auch das Institut für Elektrische Anlagen maßgeblich beteiligt ist. Ziel dieses Projekts ist es, die Standby- und Off-Mode-Verluste von Haushalts- und Bürogeräten innerhalb des EU-Marktes zu untersuchen. Unter Standby- und Off-Mode-Verlusten versteht man den Energieverbrauch von Elektrogeräten, die entweder abgeschaltet, aber nicht vollständig von der Stromversorgung getrennt sind oder sich in einem niedrigen Energieverbrauchsmodus befinden, in dem die Geräte nicht ihre Hauptfunktion ausführen. Von der International Energy Agency (IEA) wird prognostiziert, dass die Standby- und Off-Mode-Verluste in den nächsten Jahren stark zunehmen werden. Prozentuell gesehen werden in den Bereichen Standby- und Off-Mode die höchsten Zuwächse erwartet.

Um den steigenden Stromverbrauch von Elektrogeräten im Standby- und Off-Mode-Betrieb entgegenzuwirken, wurde von der EU im Dezember 2008 eine Verordnung in Hinblick auf die Ökodesign-Richtline erlassen, die Standby-Leistungen von Elektrogeräten ab 2010 beschränkt. Zunächst wird die Standby-Leistung für die unter die Verordnung fallenden Geräte auf 1 Watt beschränkt. Ab 2013 erfolgt in einer zweiten Phase eine Reduzierung dieses Limits auf 0,5 Watt.

Das Projekt SELINA
Das strategische Hauptziel des Projektes SELINA ist eine Markttransformation, welche zu einer wesentlichen Verminderung von Standby- und Off-Mode-Verlusten führen soll. Dies beinhaltet sowohl die Erhöhung des Anteils energieeffizienter Geräte auf dem Markt und in privaten Haushalten, als auch die Verdrängung ineffizienter Geräte vom Markt. Um auch in Zukunft die Standby-Verluste so weit wie möglich zu reduzieren,  ist ein weiteres wichtiges Ziel der geplanten Aktivitäten die Identifikation effektiver politischer Instrumente und Maßnahmen zur Unterstützung der Markttransformation. Dabei sollen alle relevanten Akteure, die mit der Herstellung, dem Verkauf und der Nutzung von Geräten mit Standby- und Off-Mode- Verlusten involviert sind, miteinbezogen werden. Sowohl Empfehlungen auf Ebene der EU, die im Einklang mit bereits eingeleiteten Aktivitäten wie der Ökodesign-Richlinie, freiwilligen Vereinbarungen zwischen der EU-Kommission und Herstellern sowie dem Energy Star stehen, als auch Empfehlungen für nationale Entscheidungsträger, Hersteller und Händler werden dabei erarbeitet. Auch eine Veränderung des Verbraucherverhaltens beim Kauf und der Nutzung dieser Geräte wird angestrebt. Um den Kunden energieffiezientere Produkte näher zu bringen und Kaufentscheidungen zu unterstützen, wird ein Leitfaden mit Kennwerten und Ratschlägen bezüglich Kauf und Betrieb der Geräte entwickelt.

Um Haushaltsgeräte untereinander sowie deren Wirtschaftlichkeit besser vergleichen bzw. ermitteln zu können wurde vom Institut für Elektrische Anlagen im Zuge des SELINA-Projekts das „Energy Savings Evaluation Tool“ erstellt.

Die für das Projekt notwendigen Messungen werden, unter der Koordination der Universität Coimbra, in Fachgeschäften der 12 am Projekt beteiligten Partnerländer durchgeführt. Insgesamt sollen rund 6000 Elektrogeräte gemessen werden. Am Institut für Elektrische Anlagen wurden dank der Mitarbeit interessierter Studierender bereits 100 % der geplanten Messungen durchgeführt.

Die bisherigen Messergebnisse zeigen, dass 84 % der untersuchten Elektrogeräte im Off-Mode-Betrieb weniger als 1 Watt verbrauchen, also bereits im Jahr 2009 ein Großteil der Elektrogeräte die vorgegebenen Grenzwerte der EU einhalten, wie in Abbildung 1 zu sehen ist. Mit 77 % etwas geringer fällt dieser Anteil im Standby-Betrieb aus (Abbildung 1). Auch der erst ab 2013 gültige Grenzwert von 0,5 Watt wird nach den Messungen im Off-Mode-Betrieb bereits von 70 % der Elektrogeräte eingehalten bzw. unterschritten. Im Standby liegt dieser Anteil bei rund 50 %. Die Elektrogeräte mit dem höchsten durchschnittlichen Standby-Verbrauch sind PCs, Stereoanlagen und Set-Top-Boxen.

Standby-Verbrauch von Haushaltsgeräten
Eine Berechnung des aktuellen Standby-Verbrauchs von Haushaltsgeräten in Österreich wurde im Jahr 2009 am Institut für Elektrische Anlagen der TU Graz, basierend auf Daten der E-Control GmbH und Statistik Austria durchgeführt. Für einen durchschnittlichen österreichischen Haushalt ergeben sich Standby- und Off-Mode-Verluste von rund 230 kWh im Jahr. Bei einem angenommenen Preis von € 0,18 je kWh entspricht dies jährlichen Kosten von rund € 41. Hier ist allerdings ist zu beachten, dass der Standby-Verbrauch eines individuellen Haushalts auch deutlich von diesen Durchschnittswerten abweichen kann. Dies kann einerseits am jeweiligen Benutzerverhalten sowie andererseits auch an der Geräte-Ausstattung des Haushalts liegen. Insbesondere weisen bestimmte Elektrogeräte, wie etwa WLAN-Modems, einen sehr hohen Standby-Verbrauch auf. So können, abhängig vom Benutzerverhalten und der Geräteausstattung, durchaus Standby-Kosten von weit über € 100 pro Jahr auftreten. Um den genauen Standby-Verlusten auf die Spur zu kommen, sind Leistungsmessgeräte notwendig, die speziell auf die Messung von Standby-Leistungen ausgelegt sind und insbesondere diese kleinen Leistungen exakt messen können. „Billig-Leistungsmessgeräte“ weisen oft hohe Abweichungen zum tatsächlichen Standby-Verbrauch auf.

Insgesamt ergeben sich für das Jahr 2008 Gesamtverluste aller österreichischen Haushalte von etwa 811 GWh. Dies entspricht in etwa dem Regelarbeitsvermögen des Donaukraftwerkes Jochenstein.

Die bereits erwähnte EU-Verordnung zur Beschränkung der Standby- und Off-Mode-Leistungen wird erst in einigen Jahren ihre volle Wirkung entfalten, da energieeffizienten Neugeräte erst durch die Altgeräte ersetzt werden müssen. Somit verbleiben für energiebewusste Konsumenten bis dahin nur die Maßnahmen „Stecker-ziehen“ oder das Sammeln und Berücksichtigen von detaillierten Informationen zum Gesamtstrom-Verbrauch im Falle einer Neuanschaffung. Da Elektrogeräte im Betrieb wesentlich mehr Energie benötigen und der Standby-Verbrauch durch Richtlinien der EU beschränkt wird, muss das Hauptaugenmerk daher in Zukunft beim Neukauf auf effizientere Elektrogeräte mit niedrigem Gesamtstromverbrauch bzw. bestem Energielabel (A++) gelegt werden.

Weitere Infos:
http://www.selina-project.eu
selina@tugraz.at

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